Gehstockhalterung

Das erste Modell der Gehstockhalterung
Das erste Modell der Gehstockhalterung. Foto: Jan Blömer - DEZENTRALE/HelpCamps

Gehstöcke sind für Menschen mit Beeinträchtigung eine wichtige Fortbewegungshilfe. Beim HelpCamps-Hackathon im FabLab Kamp-Lintfort haben wir allerdings gelernt, dass sie manchmal auch ganz schön nervig sein können, denn: man kann sie nicht einfach abstellen, wenn man einmal eine freie Hand braucht. Meistens fallen sie  um, selbst wenn man sie an eine Tischkante oder an die Wand lehnt.

Möchte man sie wieder benutzen, um woanders hinzugehen, muss man sie mühsam vom Boden aufsammeln oder Mitmenschen darum bitten, sie aufzuheben. Beides ist mit Anstrengung verbunden und bedeutet Abhängigkeit statt Selbständigkeit − kein schönes Gefühl.

Die 3D-Konstruktionsskizze der Gehstockhalterung. Foto: HelpCamps
Starke Abnutzung an den Griffen der Gehstöcke macht die Anwendung unbequem. Foto: HelpCamps

Eine Halterung, mit der die Stöcke von selbst stehen bleiben, wäre ideal! Ein Maker-Team war sofort begeistert von dieser Herausforderung und machte sich in der letzten Stunde des Hackathons an die Arbeit. Innerhalb weniger Minuten entstanden Skizzen auf dem Tablet und immer mehr Interessierte versammelten sich auf der „Denker-Couch“ im FabLab Kamp-Lintfort. Das nächste Problem zeigte sich: die Griffe der Gehstöcke sind ebenfalls eine Schwachstelle. Sie sind nicht ergonomisch geformt, das heißt nicht der individuellen Handform der Nutzerin angepasst und die Gummibeschichtung löst sich, sodass an den Handinnenseiten Druckstellen oder sogar Blasen entstehen.

Dafür muss es doch auch eine Lösung geben!? Na klar − das Team ummantelte die Gehstöcke mit Knetmasse und ließ die Nutzerin dann ein paar Runden durch das FabLab laufen. So formte sich in der Knete Abdrücke der Handinnenflächen, die man mit einem 3D-Scanner abtasten konnte.

Schritt für Schritt erschien auf dem großen Bildschirm am Scannertisch das digitale Modell der ergonomisch geformten Griffe. Anschließend glättete Thomas Kropp, wissenschaftlicher Mitarbeiter im FabLab Kamp-Lintfort, noch ein paar Kanten und besserte einige Dellen aus, dann schickte er die Daten an den 3D-Drucker. Etwa zwei Stunden später war der erste individuelle Gehstock-Griff fertig.

Das Entwicklungsteam konzentriert sich jetzt darauf, die Griffe zu montieren und mit einem Prototypen der Gehstock-Halterung zu verbinden. Wir sind gespannt, wie die ersten Testläufe ablaufen!

Die Feder zum Ein- und Ausklappen der Gehstockhalterung. Foto: Jan Blömer - DEZENTRALE/HelpCamps