HelpCamp-BarCamp: Viele spannende Ideen, jetzt starten die Entwicklungsteams

Eine Sitzheizung für den Elektrorollstuhl aus KFZ-Ersatzteilen oder ein alternativer Blindenstock mit 3D-Sound – das sind nur einige der kreativen Ideen, die beim BarCamp in der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik in Dortmund Anfang Dezember entwickelt worden sind. Teilgenommen haben dabei Menschen mit Beeinträchtigung, Maker mit 3D-Druck-Expertise, Orthopädie-Techniker, Hilfsmittelunternehmen sowie weitere Interessierte aus ganz Deutschland.

Einen Tag lang tauschten sich die mehr als 60 Teilnehmenden bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „HelpCamps“ in verschiedenen Themenrunden zu Alltagshilfen aus – diese sollten individuell auf einzelne Nutzer zugeschnitten sein und sich mit neuen Technologien wie dem 3D-Druck kostengünstig und einfach produzieren lassen. Weitere Interessierte schalteten sich per Online-Livestream dazu. „Ziel der Veranstaltung ist, dass sich nun Entwicklungsteams für die gesammelten Ideen finden und diese im weiteren Projektverlauf umsetzen“, so Projektleiter Niels Lichtenthäler.

Bei der Session "Zocken mit Behinderung"

Bei der Session „Zocken mit Behinderung“

Die Themen der Diskussionen konnten nicht unterschiedlicher sein: Von praktischen schwenkbaren Taschenhaltern am Rollstuhl bis zu Unterstützung in der Freizeitgestaltung. Anastasia Gilz vom HelpCamps-Netzwerkpartner Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort  beschäftigte sich mit barrierefreiem Spielzeug, beispielsweise speziellen Kartenhaltern für bewegungseingeschränkte Menschen: „Inklusives Spielzeug kann und muss keine eierlegende Wollmilchsau sein. Das Spielerlebnis sollte im Vordergrund sein und Inklusion kein Selbstzweck“, stellte sie nach der Diskussionsrunde fest.  Torsten, der selbst Rollstuhl fährt und umgestaltet, gab den Impuls für einen schwenkbaren Taschenhalter: „Sachen hinterm Rücken rein zu tun ist schwierig, häufig fällt etwas daneben oder man sieht es nicht. Da habe ich gedacht, es wäre cool, wenn es sowas geben würde. Jetzt war ich heute hier und siehe da  – läuft!“

Yi-Cong vom Berliner Verein „be able“, einer Organisation, die Design und Behinderung zusammenbringen will, war die Vernetzung vor Ort wichtig. „Ich wollte Menschen kennenlernen, die auch in diesem Bereich arbeiten und Hilfsmittel entwickeln. Und ich wollte verstehen, wo die Probleme liegen, warum man als Mensch mit Einschränkungen nicht unbedingt selbst  Hilfsmittel entwickelt.“ Torsten findet: „Es werden nie die Leute gefragt, die es eigentlich angeht. Und das hier ist eine super Möglichkeit, mal andere Leute zu fragen, ob die eigene Idee überhaupt interessant ist.“ Teilnehmerin und Beraterin für Barrierefreiheit, Viola Steinbeck, fasst die Stimmung auf dem BarCamp zusammen: „Ich fand die Idee für das BarCamp-Thema grandios. Ich habe den Eindruck, dass damit genau der richtige Nerv getroffen wurde, die Atmosphäre und der Umgang miteinander waren sehr schön. Die Quintessenz ist: selber machen, basteln, organisieren. Machen statt quatschen.“

Wie geht’s weiter?

Beim „HelpCamp“ am 9. Dezember standen vor allem Probleme im Alltagsleben mit Behinderung

Vorstellung der Ergebnisse

Präsentation der Ergebnisse

im Fokus. In den einzelnen Sessions sind bereits viele Ideen und Lösungsansätze entstanden. Diese sollen in den kommenden Monaten in mehreren Entwicklungsteams, die sich beim BarCamp gefunden haben, weiterentwickelt werden.  Am 2. und 3. März 2018 findet das darauffolgende HelpCamps-Innovationsforum statt. Hier werden die einzelnen Entwicklungsgruppen, die sich im Laufe des HelpCamp zusammengefunden haben, ihre bis dahin entwickelten Prototypen, Geschäftsmodelle und Innovationskonzepte bei einer Konferenz einer breiten Öffentlichkeit präsentieren.

Projektleiter Niels Lichtenthäler von der Beratungsfirma matrix, die das Projekt umsetzt freut sich schon auf die nächsten drei Monate bis zum Innovationsforum: „Jetzt geht die Arbeit erst richtig los! Wir setzen nun alles daran, die Entwicklungsgruppen und kreativen Köpfe bei der Realisation ihrer jeweiligen Vorhaben mit Know-how und Netzwerkarbeit individuell zu unterstützen und werden die Teams auf ihrem Weg medial begleiten.“

Lust mitzumachen? Engagierte & kreative Köpfe gesucht!

Eine Übersicht aller Entwicklungsteams  und Themen ist zu finden unter:
helpcamps.de/entwicklungsteams/